Kleiner Friedhofsknigge
Hinweise für pietätvolles Verhalten auf Beerdigungen
Während vor einigen Jahrzehnten der Besuch von Beisetzungsfeiern ein übliches Tun im Leben war, ist das immer mehr aus unserem Alltag verschwunden. Die Kultur hat sich
hier sehr verändert, und manche Lebenszusammenhänge, gerade in größeren Städten, führen dazu, dass viele von uns so gut wie nie die Erfahrung machen, bei einer Beerdigung
dabei zu sein. Umso mehr stellt sich also die Frage: Wie verhalte ich mich da?
Die passende Kleidung
Eine Beerdigung ist ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis, auch wenn das für viele nicht mehr den Anschein erweckt. Es handelt sich um einen offiziellen Termin – und um einen Moment, der eine große Wegmarke im Leben von einigen Beteiligten darstellt. Wer am Grab seiner Eltern, seines Kindes oder seiner Partnerin oder seines Partners steht, erlebt einen einschneidenden Augenblick im eigenen Lebenslauf. Deshalb ist die Frage: „Was ziehe ich bei solch einer Feier an?“ alles andere als trivial. Die klassische Trauerfarbe ist in unserem Kulturkreis schwarz, und es ist üblich, bei Beerdigungen in schwarzer Kleidung zu erscheinen. Ganz einfach gesagt: Wer schwarz und nicht zu leger gekleidet bei einer Beerdigung erscheint, macht nichts falsch.
Bei Herren ist ein guter Tipp, dass zum Anzug, wenn man denn einen solchen anlegt, eine schwarze Krawatte das Zeichen der Trauer ist. Grundsätzlich aber können auch andere gedeckte Farben getragen werden, wenn man keine schwarzen Kleidungsstücke besitzt oder nicht ganz in Schwarz gekleidet sein möchte. Gerade die Kombination mit einem weißen Hemd oder einer weißen Bluse empfiehlt sich. Manchmal wird in Traueranzeigen auch darauf hingewiesen, dass auf Trauerkleidung verzichtet werden darf oder dass die verstorbene Person sich gewünscht habe, dass in bunten Farben an der Beisetzung teilgenommen wird. Dann ist natürlich Letzteres erwünscht.
Achten Sie auch unbedingt auf, bequemes aber angemessenes Schuhwerk.
Während der Trauerfeier
In Kirchen und Trauerhallen sowie anderen Abschiedsräumen sind üblicherweise die ersten Reihen an Bänken oder Stühlen für Angehörige reserviert. Nehmen Sie also, wenn Sie zu dieser Gruppe gehören, in den vorderen Reihen Platz, auch damit diese Reihen am Schluss nicht leer bleiben. Gehören Sie nicht zu den Angehörigen, suchen Sie sich einen Platz weiter hinten.
Zur Pietät im Moment der Beisetzung gehört das Schweigen. In Kirche oder Trauerhalle genauso wie am Friedhof sollte man also lautes Gespräch unterlassen und der Stille Raum geben. Denken Sie auch bitte unbedingt daran, Ihr Mobiltelefon aus oder wenigstens auf lautlos zu stellen. Gerade bei einer Trauerfeier kann der Klingelton eines Handys sehr störend sein. Wenn der Sarg oder die Urne aus der Trauerhalle auf den Friedhof gebracht werden, folgen direkt danach die Angehörigen und daran schließen sich alle anderen an. Der Weg zum Grab wird üblicherweise im Schweigen oder im Gebet verbracht.
Ein kleiner Tipp am Rande: Stecken Sie unbedingt Taschentücher ein; auch wenn man eigentlich wenig beteiligt ist, kann es durchaus sein, dass einen eine Trauerfeier rührt und man entweder die eine oder andere Träne wegwischen oder sich schnäuzen möchte.
Am Grab
Am Grab selbst suchen Sie sich einen Platz ganz nach den Gegebenheiten. Zu Ende der Feier ist es meistens üblich, dass alle Anwesenden sich noch einzeln am Grab von dem / der Verstorbenen verabschieden. Dazu tritt man schweigend vor, man kann sich auch kurz verneigen, was eine schöne Geste darstellt. Oft ist Weihwasser vorhanden, das man auf Sarg oder Urne spritzen kann, außerdem kann man eine kleine Menge Erde ins Grab werfen als Zeichen des Abschieds und der Beerdigung.
Nach dem persönlichen Moment am Grab können Sie sich auch noch von den Angehörigen verabschieden. Oft ist ein stiller Händedruck oder eine schweigende Umarmung beredter als so mancher Satz, der gesagt wird. Hören Sie da auch auf sich selbst und die Situation. Üblich ist es auch, durch „mein Beileid“ oder „es tut mir leid“ eben das Beileid auszudrücken; ein einfacher Gruß kann aber auch ausreichen. Wenn Angehörige ausdrücklich darum bitten, am Grab von Beileidsbezeigungen Abstand zu nehmen, dann bedeutet dies, genau diese Handlungen nicht zu tun.
Zum vollständigen Friedhofsknigge & weiteren Tipps
Weitere detaillierte Informationen und weiterführende Anregungen zu Umgang Tod und Trauer finden Sie in »Das Leben vollenden – Ein Familienbuch für Abschied, Tod und Trauer« von Ludwig Waldmüller.
Quellen
Waldemüller, Ludwig: Das Leben vollenden. Ein Familienbuch für Abschied, Tod und Trauer; S. 67-73; St. Benno Verlag GmbH; Leipzig; 2024.