Die verschollene Tochter
Eine Familiensaga aus dem China des vorigen Jahrhunderts
Historiendrama über das Schicksal von Frauen und die christliche Mission im China des frühen 20. Jahrhunderts. Mit einen Interview von Autor und China-Insider Albrecht Kaul!
Handlung des Romans
Ein winziges Dorf in Zentralchina am Jangtsekiang, 1901: Lui Nan lebt in bitterster Armut; eine Überschwemmung hat den wenigen Besitz weggespült. Und sie ist schwanger. Hilfe findet sie in einer Missionsstation der Franziskanerinnen. Als Lui Nan ihr zweites Kind zur Welt bringt – wieder »nur« ein Mädchen – fürchtet sie den Zorn ihres Mannes und tut das Undenkbare: Sie lässt ihre Tochter in der Missionsstation zurück. Doch die gesellschaftlichen Umbrüche der nächsten Jahre beenden nicht nur das Kaiserreich in China, sondern bergen auch eine neue Chance für Lui Nan und ihre Töchter. Ein dramatischer Roman voller Schicksalsschläge.
»Die fremde Schwester« – Die Saga geht weiter
Die Schwestern Lui Shen und Deborah haben als Kinder das Ende des Kaiserreichs in China erlebt. Nun gehen die jungen Frauen gegensätzliche Lebenswege: Deborah lebt als getaufte Christin in einer franziskanischen Missionsstation. Lui Shen schließt sich der Kommunistischen Partei an und flieht beim Langen Marsch vor den Truppen der Nationalisten. Als die Kommunisten siegen, stehen sich die Schwestern plötzlich als Feindinnen gegenüber: Mao Zedong will den Einfluss der Christen zurückdrängen; alle ausländischen Missionare, Nonnen und Priester müssen überstürzt das Land verlassen. Doch Lui Shen sieht die Brüche im System, seit die Kommunisten sie zu einer ungeheuerlichen privaten Entscheidung gedrängt haben. Kann es eine Versöhnung zwischen den Schwestern geben?
Die spannende Fortsetzung der der bewegenden chinesischen Familiensaga!
Interview mit Albrecht Kaul
Albrecht Kaul wurde 1944 in Geithain (Sachsen) geboren und war zunächst Jugendwart im Kirchenkreis Zwickau. Später wurde er Landeswart für ganz Sachsen und von 1995 bis 2009 stellvertretender Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbands in Deutschland. Im Jahr 2009 wurde er zum Chinabeauftragten des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) ernannt und unternimmt daher häufig Reisen nach China und pflegt dort viele Kontakte zu verschiedenen christlichen Gemeinden. Als Autor veröffentlichte er zudem mehrere Romane und Reiseberichte über China. Zu seinem Roman »Die verschollene Tochter« stand er der Vivat!-Redaktion für ein Interview bereit.
Vivat!: Sie haben schon viele Bücher über China geschrieben. Was unterscheidet Ihr neues Buch von den bisherigen?
Albrecht Kaul: Bisher habe ich meistens über evangelische Christen in China geschrieben. Die Franziskanerinnen und ihr stilles und mutiges Wirken haben mich fasziniert. Es ist ein Roman, der das Leben der Landbevölkerung Anfang des 20. Jahrhunderts lebendig werden lässt.
Vivat!: Die Hauptfigur Lui Nan ist eine (junge) Chinesin, die auf dem Land lebt. Was erfahren wir durch sie über das Leben der damaligen chinesischen Landbevölkerung, besonders der Frauen?
Albrecht Kaul: Seit Konfuzius sind Frauen in China als Abhängige gesehen worden. Abhängig vom Vater, vom Bruder, vom Mann, von der Schwiegermutter, vom Sohn. Alleinlebend oder als Witwe war es für sie schwer zu existieren. Den Schutzraum stellte die Großfamilie dar, in der Frauen aber auch leiden mussten. Diese Einstellung prägte die Gesellschaft, im ländlichen Raum teilweise bis heute.
Gerade die Bewältigung der täglichen Herausforderungen und die innere Kraft der Frauen wie Lui Nan sind das Bewundernswerte an den chinesischen Menschen, da sie auch für uns verstehbar und lebendig werden.
Vivat!: Woher kommt Ihr großes Wissen über China, über Land und Leute, Geschichte und Gesellschaft?
Albrecht Kaul: Seit 2004 und meiner ersten Reise durch das Land habe ich viel über Land und Leute, Geschichte und Politik gelesen. Bei 20 Reisen in alle Gegenden Chinas, auch Tibet, Taiwan und Xinjiang, habe ich die Menschen beobachtet, ihnen meine Fragen gestellt und mir auf ausweichende Antworten und ihr vielsagendes Lächeln meinen Reim gemacht.
Vivat!: Im ersten Band Ihrer China-Trilogie erzählen Sie eine Familiengeschichte
Anfang des 20. Jahrhunderts. Wie setzt sich diese Geschichte nun fort?
Albrecht Kaul: Die Familie wagt mit den Franziskanerinnen einen neuen Anfang der
Missionsarbeit. Die Unruhen des Bürgerkrieges treiben die Missionare weiter
ins Inland, aber sie geben nicht auf. Erst die Gewaltherrschaft der Kommunisten
scheint die Arbeit unmöglich zu machen.
Vivat!: Welche Schlüsse ziehen Sie aus dem Roman für die Rolle der Christen in China
heute?
Albrecht Kaul: Die Christen erleben den Zwiespalt, entweder unterzugehen oder
gemeinsame Sache mit den Kommunisten zu machen. Es sind einzelne
Nonnen und Priester, die den schwierigen Platz zwischen den Stühlen
einnehmen, um die Gläubigen zu schützen. Auf diesem Boden entwickelt
sich eine stark wachsende Kirche.