Ticket to Heaven
Sterben ist ein Thema, über das selten gesprochen wird. Für Felix wird es plötzlich konkret, als sein bester Freund Ronny stirbt. Er beginnt, sich mit Fragen rund um das Lebensende auseinanderzusetzen: Wie möchte er selbst einmal beerdigt werden? Welche Bestattungsformen gibt es? Und wie lässt sich das Lebensende vorbereiten?
Über das Buch
Nach dem Tod seines besten Freundes kann Felix das Thema »Sterben« nicht mehr ignorieren. Nun drängen sich ihm tausend Fragen auf: Wie möchte er selber mal beerdigt werden? Gemeinsam mit seiner Frau, mit Freunden und einer Pfarrerin sucht er Antworten. Ein unterhaltsamer Roman, der dringend nötige Aufklärungsarbeit leistet.
Interview mit Dr. Nikola Schmutzler
Nikola Schmutzler ist in Meißen geboren und wuchs in einem Pfarrhaus auf. Nach einem Studium der Theologie und der Liturgiewissenschaft arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Theologischen Fakultät in Leipzig. Seit 2013 ist sie Pfarrerin in Auerbach im Vogtland.
Vivat!: Ein Buch übers Sterben, das sich nicht vorrangig an ältere Menschen richtet? – Was ist Ihr Anliegen mit diesem Buch?
Nikola Schmutzler: Sterben und der Umgang mit dem Tod ist nichts, was ausschließlich alte Menschen betrifft. Klassische Beispiele sind Unfälle oder Krankheiten – die Erinnerung an Corona ist noch ziemlich präsent. Es erscheint zwar unnatürlicher, wenn junge Menschen sterben, trotzdem ist keiner davor gefeit. Irgendwann muss sich jeder mit Tod und Sterben auseinandersetzen, spätestens wenn es in der „natürlichen“ Reihenfolge geschieht.
So wie es in Rilkes „Schlußstück“ heißt:
Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
Häufig kommt es im Sterbefall zu einer Überforderung durch die Situation emotional und organisatorisch. Das Buch will da Abhilfe schaffen, auf lockere Art Orientierung geben. Wenn das gelingt, entsteht bei Angehörigen mehr Raum für Abschied und Trauer. Die Erzählperspektive ist bewusst die eines Betroffenen, Suchenden und Lernenden. Durch die anklingende christliche Perspektive der Auferstehung bietet es zudem eine Hoffnung über das Vorfindliche hinaus. Das Anliegen ist es, knapp formuliert, Menschen resilient für die Ausnahmesituation „Tod und Sterben“ zu machen.
Vivat!: Haben Sie bei Ihrer Arbeit als Pfarrerin den Eindruck, dass sich Menschen mit dem eigenen Sterben nicht auseinandersetzen? Warum soll man das überhaupt tun?
Nikola Schmutzler: Es klang oben bereits an, jeder wird sich irgendwann mit dem Thema beschäftigen müssen. Häufig geschieht das erst im Akutfall, dann entsteht oft eine derartige Überforderung, dass die Trauerarbeit in den Hintergrund gedrängt wird. „Wissen“ bzw. vorherige Beschäftigung kann helfen, die Orientierung zu behalten, oder einfach die Beerdigung zu bewältigen.
Mir ist das im Nachgang eines Schulanfängerprojektes im Kindergarten unserer Kirchgemeinde bewusst geworden. Eine Mutter erzählte mir von der Beerdigung der Großmutter, zu der sie ihr Kind mitgenommen hatten. Das Kind wusste nach dem Projekt ganz genau, was wann in der Trauerfeier passiert und war damit so „ritualsicher“, dass der Abschied von der Oma „gut“ gelungen ist.
In Akutsituationen werden manchmal Entscheidungen getroffen, die sich je länger der Sterbefall zurückliegt, falsch anfühlen kann. Dann ist es in der Regel zu spät, um Änderungen vorzunehmen. Wobei es immer möglich ist, die Urne aus dem Garten auf den Friedhof zu bringen, da vorher einfach mit dem zuständigen Friedhof reden. Es ist übrigens hilfreich für Hinterbliebene, wenn es von der verstorbenen Person Hinweise oder Anweisungen gibt bezüglich Trauerfeier und Beerdigung. Es ist ein großer Gewinn, die Zeit des Abschieds und der Trauer bewusst erleben zu können, dazu soll das Buch beitragen.